Das Klavier deckt mehr vom Spektrum ab als fast jedes andere Instrument im Mix: Grundtöne ab 27 Hz, Obertöne weit über 4 kHz hinaus und einen entsprechenden Dynamikumfang. Darum konkurriert es gleichzeitig mit Bass, Gesang und Gitarren.
In diesem Tutorial bearbeiten wir eine Klavierschleife in Ableton Live ausschließlich mit Bordmitteln – erst solo, dann zusammen mit einer Bassspur, damit du hörst, wie jede Absenkung ihre Berechtigung erhält. Falls du die Akkorde hinter dem Klang noch lernst, schau dir unsere Klavierakkord-Übersicht an – sie ergänzt dieses Tutorial perfekt.
HINWEIS: Für dieses Tutorial verwenden wir ausschließlich Ableton Live mit den mitgelieferten Effekten und Plugins.
Das Sample
Das Klaviersample für dieses Tutorial stammt von Splice – eine einfache Akkordfolge.
Wir arbeiten mit dem Sample zunächst solo und dann zusammen mit Bass, um nachzuvollziehen, wie verschiedene EQ-Entscheidungen dem Klavier helfen, besser in den Mix zu passen. So wird das Sample nach der EQ-Bearbeitung klingen:
Kostenloser Download: EQ-Frequenz-Poster
Alle Frequenzbereiche der Instrumente auf einer farbcodierten Übersicht. Ausdrucken, über die Monitore pinnen und nie wieder raten, wo du schneiden sollst.

Wie bearbeitet man Klavier per EQ?
Subtraktives EQ
Beim EQ eines Instruments ist es wichtig, zuerst Frequenzen zu entfernen, statt sie anzuheben. So kannst du anschließend etwas Kompression hinzufügen, um den Klang zu straffen , nachdem du ihn ein wenig aufgeräumt hast – und dann mit einem weiteren EQ nach der Kompression anheben.
Unerwünschtes Rumpeln im Bereich unter 50 Hz mit einem Hochpass zu entfernen, ist beim Klavier ein guter erster Schritt – danach kannst du den Hochpass nach Geschmack noch etwas höher setzen.

Wenn du Klavier solo mit einem Begleitinstrument wie Gesang mischst, ist es sinnvoll, die Subbass-Frequenzen im Klavier zu belassen – es gibt ja keine anderen Instrumente, die um diesen Bereich konkurrieren, wenn nur Klavier und Gesang vorhanden sind.
Sind jedoch andere Instrumente im Subbass-Bereich vorhanden – etwa Bass, Bassgitarre usw. –, musst du herausfinden, wo dein Bass sitzt, und das Klavier bei diesen Frequenzen absenken, um dem Bass Raum zu geben.
Das Sample weist matschige Frequenzen zwischen 100 Hz und 250 Hz auf – daher habe ich hier eine breite Absenkung von 3,6 dB vorgenommen, die den Gesamtklang deutlich gestrafft hat, ohne die Wärme des Klaviers zu verlieren. Außerdem habe ich bei 770 Hz eine schmale Absenkung gesetzt, um die unteren Mitten zu zähmen.

Hören wir uns an, was wir bisher erreicht haben:
Klavier ohne EQ
Klavier mit EQ
Jetzt heben wir ein paar Frequenzen an!
Additives EQ
Da dies ein reines EQ-Tutorial ist, verzichten wir auf Kompression, die ich normalerweise hier einsetzen würde. Stattdessen heben wir Frequenzen an, um den Klang zu verbessern und diesem Klaviersample etwas Fülle zu verleihen.
Dieser Klavierklang ist recht dunkel und warm, daher hilft eine Anhebung in den Mitten, dem Sample mehr Klarheit und Präsenz zu verleihen. Anhebungen im Mittenbereich sind beim Klavierüblich, aber übertreibe es nicht – das kann schnell unangenehm schrill werden!
Beim Klavier-EQ ist es außerdem üblich, einen High-Shelf oberhalb von 5 kHz einzusetzen, um dem Klavier etwas Glanz oder "Luft" zu geben. Ich habe die Mitten bei 2 kHz recht breit um 3 dB angehoben und einen kräftigen High-Shelf von 5 dB bei 5 kHz gesetzt, um diesem dunklen Sample deutlich mehr Helligkeit zu verleihen.

Hören wir uns das Sample vor und nach dem additiven EQ an:
Klavier ohne Anhebungen
Klavier mit Anhebungen
Was du in dieser Phase des EQs anhebst, ist weitgehend Geschmackssache. Der aktuelle Klang, den wir hier im Artikel haben, ist recht brillant und würde beispielsweise gut zu einem Pop-Mix passen.
Ein dunklerer Klang ohne die Anhebungen würde hingegen besser zu einem wärmeren, eher von Hip-Hop beeinflussten Sound passen.
EQ zusammen mit Bass
Beim Mischen von Klavier und Bass musst du herausfinden, wo die Bassfrequenz liegt, und diese dann aus dem Klavier herausschneiden. Im Mix dominiert der Bass oft den Tieftonbereich, während das Klavier in den unteren Mitten und im Mittenbereich sitzt. Richtig gemacht, kann ein Mix mit diesen beiden Instrumenten sehr voll klingen.
Nachdem ich mit einem Notch-EQ die Resonanz im Bass oberhalb von 50 Hz bei 80 Hz gefunden habe, habe ich beim Klavier eine schmale Absenkung von 4 dB bei 80 Hz vorgenommen. Mit dieser Absenkung kommt das Gefühl des Tieftonbereichs vom Bass durch das Klavier hindurch, und beide schichten sich recht gut übereinander.

Hören wir uns Bass und Klavier mit und ohne die 80-Hz-Absenkung an:
Ohne 80-Hz-Absenkung
Mit 80-Hz-Absenkung
Jetzt zum EQ des Klaviers zusammen mit anderen Mittenbereich-Instrumenten
EQ mit anderen Mittenbereich-Instrumenten
Ähnlich wie beim Mischen von Bassmusst du manchmal entscheiden, welcher Klang einen Frequenzbereich stärker einnehmen soll als ein anderer – zum Beispiel Gesang und Klavier.
Beide können im Bereich von 1–5 kHz und darüber kollidieren. Das Klavier in diesem Bereich abzusenken, wenn der Gesang Priorität hat, ist eine gute Lösung – oder umgekehrt, wenn das Klavier im Mittelpunkt des Tracks steht.
Bearbeite immer im Kontext deines Tracks: Ist der Track basslastig, konzentriert sich das Klavier auf die Mitten. Steht der Gesang im Vordergrund, achte darauf, dass das Klavier in den Mitten nicht mit ihm kollidiert. Und bei reinem Klavier-Gesang-Arrangement sollte das Klavier nicht dünn klingen oder im Tieftonbereich fehlen.
Piano-EQ-Spickzettel
Alles oben war ein Sample in einem Arrangement. Wenn du eine Piano-Spur öffnest, die du noch nicht gemischt hast, hilft es zu wissen, welche Bereiche meist Aufmerksamkeit brauchen. Betrachte die folgenden Bereiche als Ausgangspunkte fürs Hören, nicht als Einstellungen zum Übernehmen.
Als grobe Orientierung: 60–80 Hz tragen Fülle, bei 100–200 Hz wummert's, 1,5–2,5 kHz wird nasal, und 2,5–5 kHz enthält den größten Teil der Präsenz. Diese Bereiche überschneiden sich, und dieselbe Frequenz kann einem Piano helfen und dem nächsten schaden.
Akustisches Piano
- Unter 250 Hz – Matsch und Wärme teilen sich diesen Bereich. Hochpass unter 70 Hz, wenn das Piano mit einem Bass oder einer Kick konkurriert, und lass mehr Tieftonbereich drin, wenn das Arrangement luftig ist. Eine kleine Anhebung um 80–120 Hz füllt den Klang, und 150–250 Hz fügen Wärme hinzu.
- 250–500 Hz – Hier lebt die Kastigkeit. Eine Absenkung hier ist die übliche Lösung für ein Piano, das dick statt knackig klingt, aber nimm nicht zu viel weg, sonst verliert es an Gewicht.
- 2–3 kHz – Eine Absenkung in diesem Bereich rückt das Piano aus dem Weg von Gitarren und Vocals. Es kostet das Piano etwas Präsenz, also mach es, wenn ein anderes Element den Platz braucht oder wenn das Piano selbst hart klingt.
- 5–9 kHz – Attack und Klarheit. Boost hier breit statt schmal, und hör auf, bevor die Hämmer anfangen zu klicken.
- 9–20 kHz – Die scharfe Spitze eines akustischen Pianos. Eine Anhebung um 10–11 kHz öffnet es, und eine Absenkung um 14–15 kHz verhindert, dass es spröde wird. Beide Eingriffe hängen von der Aufnahme ab, also sweep erstmal, bevor du dich festlegst.
E-Piano
- Unter 250 Hz – Hochpass unter 50 Hz, es sei denn, der Patch hat bewusst Sub-Anteile. Bei 100–250 Hz wummern E-Pianos und maskieren den Bass.
- 800 Hz bis 1 kHz – Der übliche Problembereich. Sweep mit einer schmalen Absenkung durch, und du findest oft eine nasale Frequenz, die den meisten Schaden anrichtet.
- 1,5–3 kHz – Hier bekommt ein E-Piano seinen Biss. Ein breiter Boost zwischen 1,5 und 2,5 kHz bringt es nach vorn, und eine Absenkung macht einen harschen Patch weicher oder schafft Platz für einen Vocal.
- 5–8 kHz – Eine Anhebung hier schärft den Attack. Senk sie ab, wenn der Patch hauptsächlich Rauschen und mechanische Geräusche oben hat oder wenn er die Becken bedrängt.
Egal welcher Bereich: Hör dir das Piano im vollen Mix an, mach einen kleinen Eingriff, dann bypass das EQ und check, ob es wirklich geholfen hat.
Fazit
Wenn du ein Instrument per EQ bearbeitest, verlasse dich in erster Linie auf deine Ohren. Instrumente können in jedem Track verschiedenste Rollen spielen, und es ist wichtig, dem Song zuzuhören und selbst zu beurteilen, was Vorrang hat, wenn du mit dem EQ einem Instrument seinen Platz verschaffst.
Steht der Gesang im Mittelpunkt? Begleitet das Klavier den Bass oder den Mittenbereich? Welche Funktion hat das Instrument in diesem Song? Das sind alles Fragen, die du dir beim Einsatz von EQ stellen solltest. Viel Erfolg!
Kostenloser Download: EQ-Frequenz-Poster
Alle Frequenzbereiche der Instrumente auf einer farbcodierten Übersicht. Ausdrucken, über die Monitore pinnen und nie wieder raten, wo du schneiden sollst.
